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Im Webdesign gibt es einen Glaubenssatz, den viele für selbstverständlich halten: „Je länger ein Nutzer auf der Webseite bleibt, desto besser.“ Aber ich sehe das anders. Für mich geht es nicht darum, Menschen möglichst lange auf meiner Seite festzuhalten. Es geht darum, ihnen genau das zu geben, was sie brauchen – schnell, klar und ohne Ablenkung.

Stell dir vor, jemand sucht eine Anleitung, um ein Problem zu lösen. Vielleicht will er wissen, wie man eine Website sichert, wie Barrierefreiheit funktioniert oder welche Einstellungen für Divi sinnvoll sind. Diese Person hat eine Aufgabe, und meine Webseite sollte ihr dabei helfen, diese Aufgabe so schnell und einfach wie möglich zu lösen. Alles andere ist für mich Zeitverschwendung – nicht nur für den Nutzer, sondern auch für mich als Betreiber.

Die Aufgabe: Helfen, nicht binden

Es gibt genug Webseiten, die Besucher durch endlose Scroll-Strecken, aufdringliche Pop-ups oder ewige Ladezeiten frustrieren. Diese Seiten versuchen, Nutzer zu „binden“ – mit dem Ziel, mehr Klicks, höhere Verweildauer oder bessere Statistiken zu erzielen. Aber was bringen all diese Zahlen, wenn der Besucher am Ende genervt ist, weil er die gesuchte Information nicht findet?

Meine Philosophie ist eine andere: Ich will, dass der Nutzer die Informationen bekommt, die er braucht, und sich danach wieder seiner Aufgabe widmen kann. Kein Blabla, keine Ablenkung – nur klare, hilfreiche Inhalte. (Ich sage nicht, das dies einfach ist 😊 )

Das Ergebnis: Vertrauen und Respekt

Wenn du den Fokus darauf legst, Nutzern wirklich zu helfen, gewinnst du mehr als nur Statistiken. Du gewinnst Vertrauen. Menschen kommen zurück, weil sie wissen, dass sie bei dir die Infos finden, die sie brauchen – ohne Schnickschnack. Sie empfehlen deine Seite weiter, weil sie schätzen, dass du ihre Zeit respektierst.

Das Webdesign von morgen sollte nicht darauf ausgelegt sein, Nutzer in einem Netz aus „Engagement“ zu fangen. Es basiert auf der Idee, echten Mehrwert zu bieten – schnell, direkt und ohne Umwege. Webdesign sollte helfen, nicht festhalten. Es geht nicht um die Verweildauer, sondern um die Qualität der Interaktion. Wenn du das verstehst und umsetzt, schaffst du nicht nur eine bessere Nutzererfahrung, sondern auch langfristige Beziehungen zu deinen Besuchern. Und genau das ist es, worauf es wirklich ankommt. 😊

Wenn das Web zur Falle wird

Ein abschreckendes Beispiel für das, was wir vermeiden wollen, liefert die Dokumentation „The Social Dilemma“. Sie zeigt eindringlich, wie Plattformen und Webseiten durch manipulative Mechanismen versuchen, Nutzer so lange wie möglich zu halten – koste es, was es wolle.

Diese Strategien setzen nicht auf Mehrwert, sondern auf Abhängigkeit: Endlos-Feeds, algorithmisch generierte Empfehlungen und gezielte Benachrichtigungen sorgen dafür, dass Nutzer immer wieder zurückkehren und sich im digitalen Raum verlieren. Dabei steht nicht das Wohl des Nutzers im Mittelpunkt, sondern die Optimierung von Klickzahlen und Werbeeinnahmen.

Die Folgen sind bekannt: Weniger Fokus auf die eigentlichen Aufgaben, mehr Stress durch ständige Unterbrechungen und das Gefühl, keine Kontrolle über die eigene Zeit zu haben. Diese Systeme degradieren den Nutzer von einem eigenständigen Entscheidungsträger zu einem passiven Konsumenten. Sie rauben ihm wertvolle Zeit und geben oft wenig bis gar nichts zurück.

Genau hier müssen wir als Designer und Webseitenbetreiber eine andere Richtung einschlagen. Wir sollten uns fragen: Helfen wir den Menschen, produktiv zu sein, oder lenken wir sie ab? Statt Verweildauer und Engagement zu optimieren, sollten wir Transparenz und Effizienz fördern. Nutzer verdienen Respekt – und der beginnt damit, ihre Zeit zu schätzen und ihnen nicht mehr abzuverlangen, als wirklich nötig ist.

Fragen, die wir uns stellen sollten

  • Stelle ich Klare Inhalte bereit?
    Wie oft suchen Nutzer nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen? Sind lange Texte und überflüssige Inhalte wirklich nötig, oder gibt es eine Möglichkeit, die wichtigsten Informationen klar und direkt zu präsentieren? Wie können wir dafür sorgen, dass Nutzer ihre Antworten in wenigen Sekunden finden?
  • Verwende ich aufdringlichen Elemente
    Sind Pop-ups wirklich notwendig? Bringen Werbeeinnahmen durch Banner, Overlays und automatische Videos tatsächlich so viele Vorteile, dass sie die Nachteile – Frustration der Nutzer und erhöhte Energieverbräuche – rechtfertigen? Können wir auf dezente, nicht invasive Alternativen setzen, die trotzdem effektiv sind?
  • Habe ich eine Nutzerführung?
    Wie intuitiv ist die Navigation wirklich? Finden sich Nutzer auch ohne lange Erklärungen zurecht? Könnten klarere Strukturen oder eine prominent platzierte Suchfunktion dazu beitragen, dass Nutzer schneller an ihr Ziel kommen?
  • Fördere ich Transparenz?
    Wissen Nutzer, warum sie bestimmte Inhalte sehen? Würden sie mehr Vertrauen fassen, wenn sie klar wüssten, warum ein bestimmtes Design-Element oder eine Funktion implementiert wurde? Wie können wir als Designer offener kommunizieren?
  • Hat mein Besucher eine echte Zeitersparnis oder Nutzen, von dem was ich ihm anbiete?
    Wie oft wird die Zeit des Nutzers verschwendet, weil Seiten zu langsam laden oder unnötige Schritte eingebaut sind? Wie können wir Prozesse so gestalten, dass sie für den Nutzer so effizient wie möglich sind? Gibt es Möglichkeiten, Ladezeiten zu minimieren und die Nutzerführung zu verbessern?
  • Interaktion statt Sucht! Helfe oder schade ich?
    Wie oft bauen wir Inhalte so auf, dass sie Nutzern helfen, statt sie passiv zu konsumieren? Was würde passieren, wenn wir interaktive Inhalte fördern, die den Nutzer einbinden und ihn ermutigen, aktiv mitzudenken? Können wir digitale Inhalte schaffen, die nicht abhängig machen, sondern inspirieren?

Diese Fragen sind nicht dazu da, sofortige Antworten zu liefern, sondern uns anzuregen, anders über Webdesign nachzudenken. Wenn wir aufhören, Nutzer als bloße Zahlen in Statistiken zu betrachten, und anfangen, ihre Zeit und ihr Vertrauen zu respektieren, können wir etwas wirklich Großartiges schaffen. Das Web der Zukunft sollte nicht manipulativ, sondern unterstützend sein – und wir alle können dazu beitragen.

In diesem Sinne…

Eine wunderbare Zeit für Euch!

Euer Frank